EINSWERDEN - nur Grade des Scheiterns
„Zweiheiten" - jede Farbe evoziert ihren Gegen-Ton. Rot ruft Grün (Goethe hatte doch recht). Auch: jeder Gedanke wird doppelt gedacht, komplementär. Das eine nicht ohne das andere. Polaritäten überall. So interessiert mich das Weiße im Schwarzen, die Weite im Engen, das Harte im Weichen, das Niedrige im Hohen und umgekehrt, linear und flächig, monochrom und zugleich bunt...Und die Entfernung zwischen den Polen extrem, überdehnt bis zum Zerreißen
Dann interessiert mich vor allem der sinnenhafte Moment, wo aus einem das (ein) Gegenteil wird, oder zumindest etwas anderes Entferntes - wie eine Fläche zur Linie, Vordergrund zum Hintergrund, Konkretes, Zum Trauma, das Triviale zum Göttlichen. Die Kraft der Schwäche der Kraft. Kurz: Wandlungen...Ich möchte alles malen, alles denken können. Ich möchte, daß alles möglich ist! Das EINSWERDEN (und Wiederanderswerden) von Dingen, die nicht einmal komplementär miteinander zu tun haben. Das Bewußtsein hinter meinem Bewußtsein weiß, daß das alles möglich ist - zuerst in der Fiktion, in der Kunst... und dann vielleicht...? Jedes Mittel und Material ist mir recht, jede Annäherung ein Fortschritt. Und jeder Schritt doch nur ein (vielleicht höhere) Grad des Scheiterns - dessen bin ich mir schmerzlich bewußt und gehe weiter mit Lust im Wind und gegen ihn an.
Hanns Menninger